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Schreibheft

Monatswort

Da weinte Jesus.

Johannes 11,35  Jesus ist bewegt von der Trauer von Maria und Martha, von dem Verlust seines Freundes Lazarus. Jesus zeigt Gefühle. Das macht er immer wieder. Er freut sich über die Kinder und umarmt sie als er sie segnet. Er ist verärgert und traurig als er die Missstände im Tempel sieht. Er ist verängstigt während seines Gebets im Garten Gethsemane.

Jesus lässt sich bewegen vom Schicksal der Menschen, die ihn umgeben. Er ist bewegt von den eigenen Herausforderungen und Erfahrungen. Gefühle, Emotionen entstehen entweder als Reaktion auf das, was wir von außen wahrnehmen oder sind Reaktionen auf das, was wir selbst erleben. Gefühle sind die Atemzüge unserer Seele.

Je nachdem, was wir sehen oder selber erleben, können die Gefühle sehr unterschiedlich sein. Dabei fällt es uns leicht, angenehme, gute Gefühle wahrzunehmen und sie durch ein freundliches Gesicht, offene Körperhaltung oder gar Freudensprünge oder Umarmungen zu zeigen.

Negative Gefühle wahrzunehmen und zu zeigen, fällt uns hingegen meist schwerer. Gefühle, wie Trauer, Frust, Angst, Wut, Verzweiflung zeigen wir nicht gerne - vor allem, wenn sie Reaktionen unserer eigenen Erfahrungen sind. Sie sind unangenehm und wir versuchen, sie zu kontrollieren und gelegentlich auch zu verdrängen: Wenn ich die Augen vor ihnen schließe und sie nicht sehe, dann gibt es sie in Wirklichkeit nicht, dann ist alles in Ordnung.

Kann aber die Seele ohne Ein- und Ausatmen leben?

Im Rahmen der geistlichen Übungen sind wir im Monat März mit Petrus unterwegs. Petrus hat immer wieder Gefühle und Emotionen gezeigt und diese zugelassen. Es kann sein, dass seine Geschichte in uns Erfahrungen, Gedanken, Herausforderungen aus unserer Vergangenheit anrührt und dabei unterschiedliche Gefühle aufsteigen. Was mache ich mit ihnen?

Jesus zeigt uns: Lass die Gefühle zu. Lass Freude, Glück, Zufriedenheit, Frieden, aber auch Trauer, Schmerz, Wut zu. Woher kommen diese Gefühle, was steht an ihrem Anfang? Welche Ereignisse lösen diese aus? Kommen sie hoch, weil sie damals zu schwer waren und du lieber die Augen vor ihnen verschlossen hast?

Jesus weint. Er trauert. Er schaut sich das Grab an. Er lässt Trauer zu. Er ist konfrontiert mit dem Tod, mit der Trennung von Lazarus. Er ist konfrontiert mit dem Abschiedsschmerz der Trauernden um ihn. Danach kommt er ins Gespräch mit Gott, dem Vater – „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast“ (11:41). Das ist auch der Weg, den uns Jesus im Umgang mit unseren Gefühlen zeigt. Er ermutigt uns – lass sie zu und komm ins Gespräch mit mir. Erzähl mir, was dich erfreut, bedrückt, was geschehen ist. In diesem Augenblick rede ich mit Jesus, dem Gott der hört, der mich kennt, der mich versteht und der mir zugesprochen hat, dass er meine Lasten trägt.

Ich wünsche dir, dass du den Mut hast, dein Leben anzuschauen und den Mut hast, Gefühle zuzulassen und mit ihnen zu Jesus zu kommen. Lass die Seele atmen. Atme alles aus, was du zurückgehalten hast. Und atme die Liebe, die Gnade, die Vergebung, die Freude, die Kraft Jesu ein.

 

Pastor Johann Vollbracht

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